• Denise Romer

Kitesurfen - Eine Frage des Alters?

Kitesurfen ist meine Leidenschaft, das weiss jeder, er mich kennt. Ich renne dem Wind nach so oft ich kann. Und das seit vielen Jahren. Zum Unverständnis vieler in meiner Umgebung. Immer wieder werde ich gefragt, ob ich denn nicht langsam zu alt sei für so etwas. Oder ich höre Sachen wie: das könnte ich nie lernen, für so etwas bin ich schon zu alt.

Ist Kitesurfen wirklich eine Frage des Alters?

Irgendwie habe ich mir dazu nie wirklich Gedanken gemacht. Es hatte Wind, also ging ich Kiten. Ich hatte frei, ich ging kiten. Ich hatte Ferien, ich ging kiten. Nicht, dass ich nicht auch anderes machen hätte können, aber ich war fasziniert von diesem Sport. Es gab unzählige Möglichkeiten sein Können immer mehr zu verbessern. Es reizte mich, dass es anscheinend unendlich war. Nie endend. Nie wurde ich müde den ganzen Tag, wochenlang hin- und herzufahren und dabei den Wind zu spüren. Es gab da draussen auf dem Wasser nur mich und meinen Kite. Alles andere ist in diesen Momenten weit weg. Es gibt da draussen auf dem Wasser keine Probleme, keinen Alltag, keine Sorgen. Ich fühle mich frei und unabhängig. Es entspannt meinen Geist und meine Seele. Hier tanke ich Energie für alles was kommt, wenn ich meine Kite wieder zusammen gepackt habe. Hier füllen sich meine Batterien.

Ja, ich bin jedes Jahr älter geworden. Wie jeder von uns. Aber nie habe ich mir auch nur annähernd Gedanken gemacht, dass ich dafür jetzt zu alt sein könnte.

Wann ist man denn überhaupt "zu alt" für irgend etwas? Wer entscheidet, ob man für etwas zu alt ist? Wer schreibt dir vor, ob du etwas noch machen kannst oder nicht?

Wer setzt dir deine Grenzen oder schreibt dir vor wo deine Limits sind?

Auf meinen Reisen an diversen Kitespots habe ich unglaubliche Menschen kennen gelernt. Da sieht man Kitesurfer welche an Land auf den Rollstuhl angewiesen sind. Aber sie kiten. Sie sind frei wenn sie auf dem Wasser sind und in diesen Momenten nicht durch ihre körperliche Behinderung eingeschränkt. Sie leben auf und geben alles. Wenn man nach ihren Kitesessions in ihre Gesichter sieht, dann sprechen die leuchtenden Augen für sich. Du siehst das Glück in ihren Gesichtszügen. Die Passion für die Elemente.

Ich habe auch Kitesurfer kennengelernt welche die 80 Lenze bereits überschritten hatten. Sie hatten mit weit über 70 Jahren den Wunsch Kiten zu lernen und haben es durchgezogen. Klar, sie brauchten dafür wohl etwas länger als nur ein paar Tage. Doch es war ihr unbändiger Wille diesen Sport noch zu erlernen. Und heute geniessen sie die Freiheiten auf dem Wasser. Dort wo es kein Alter gibt, keine körperliche Beeinträchtigung. Dort draussen, wo alles weit weg ist.

Was treibt Menschen dazu, diese Sportart auch in höherem Alter noch erlernen zu wollen? Ist es, dass sie ihrer Jungend hinterhertrauern? Ich denke nicht. Diese Menschen verdienen meinen aller grössten Respekt und ich ziehe meinen Hut vor ihnen.

Also, wer sagt diesen Menschen, dass dies nichts mehr für ihr Alter sei? Wer hält sie auf und weist ihnen ihren Platz zu? Wohin gehören also diese Ü80 er? In ein Altersheim?

Wann genau ist man denn reif für das Altersheim? Sobald man den Arbeitsalltag hinter sich gelassen hat und pensioniert ist? Also mit etwa 65 Jahren?

Ich denke nicht!

Jeder Mensch hat in sich drin sein inneres Kind. Das verspielte, das Jugendliche. Das verspielte, um immer wieder die Welt von Neuem zu entdecken. Bis wir unseren letzten Atemzug machen. So sollte es sein.

Dieses Gedankengut gilt es aufrecht zu erhalten und auszuleben. Und zwar bis wir eines Tages diese schöne Welt verlassen.

Kann also jeder noch Kiten lernen? Ich bin der Meinung schon. Wenn gewisse Umstände gegeben sind ist dies jederzeit möglich.

Doch was leitet diese aussergewöhnlichen Menschen an etwas zu erlernen und es auch durch zuziehen? Obwohl die Gesellschaft sie als für „zu alt“ abgestempelt hat.

Es ist ihr Wille. Ihre eigene innere Motivation die sie anleitet. Es ist wie bei allem im Leben. Es spielt keine Rolle ob du nun eine Fremdsprache erlernen willst, deinen Schulabschluss nachholen, deinen Körper nach deinen Wünschen formen willst oder eine neue Sportart erlernen.

Es ist einzig die intrinsische Motivation die dich an dein Ziel führt. Ist deine innere Motivation stark genug, dann wirst du alles erreichen. Selbst ein zuerst unerreichbar erscheinendes Ziel ist plötzlich in greifbarer Nähe.

Ja, es ist für ältere Menschen vermutlich nicht mehr so einfach, kiten zu lernen. Es wird dauern. Es wird nicht an einem Tag möglich sein. Auch nicht in 2 oder 3. Und ja, es ist anstrengend und ja, es folgen Stürze. Teils auch heftige. Und ja, es besteht die Möglichkeit sich weh zu tun oder sogar zu verletzen.

Ist es nicht überall so im Leben? Fallen wir nicht immer mal wieder hin und stehen wieder auf. Das tun wir, weil es immer weiter geht. Im Unterbewussten ist das Fallen und Aufstehen dadurch bestimmt, dass wir nun mal leben wollen. Wir müssen weiter machen an dem Ort wo wir aufgehört haben. Jeden Tag. Immer aufs Neue und uns den Anforderungen des Lebens stellen wenn wir weiter kommen wollen.

Hast du dich schon einmal gefragt, wo deine Ziele sind? Was du konkret im Leben erreichen möchtest? Was du noch alles lernen willst?

Was möchtest du aus diesem Leben mitnehmen? Wohin soll es dich führen? Was ist dein innerer Antrieb? Wo ist deine Motivation so groß, dass du dich durch nichts aufhalten lässt?

Hast du überhaupt ein Ziel?

Für die Menschen, welche noch in höherem Alter mit Kiten anfangen ist es ein grosses Ziel. Und sie geben alles dafür, dieses zu erreichen. Und diese Menschen schaffen das. Diese Menschen haben Erfolg. Sie haben ihre innere Befriedigung und Bestätigung für nichts „zu alt“ zu sein.

Also; wer schreibt dir vor, ob du zu alt bist? Wer gebietet dir Einhalt bei deinen Unternehmungen? Wer sagt, was du zu tun oder zu lassen hast?

Wir sind es selber. Jeder von uns entscheidet tagtäglich wie sein eigenes Leben auszusehen hat.

Ja, manchmal hat man so „Engelchen“ und „Teufelchen“ in sich drin die miteinander streiten. Das Pro und Contra abwägen und sich fetzen, was denn nun das Richtige ist.

Und wer entscheidet schliesslich, welche dieser Entscheidungen denn nun die Richtige ist? Worauf hörst du? Steht das „Engelchen“ für deine Vernunftsentscheidungen und das „Teufelchen“ für das eventuelle Risiko?

Wie viel Risiko bist du bereit einzugehen um schliesslich mehr Leben in dein Leben zu lassen? Doch ist die Entscheidung für mehr Leben wirklich ein Risiko? Wo bleibt die Freude? Das Glück? Die unvergesslichen Momente des Erfolges? Die Momente, wo du selbst mich unendlichem Stolz erfüllt bist, weil du etwas erreicht hast, was du anfangs nie für möglich gehalten hättest.

Hättest du diese Momente im Leben gehabt, wenn du immer die „Vernunft“ hättest entscheiden lassen? War es nicht jedes Mal so, dass du dafür den bequemen Weg der Komfortzone für einen Moment verlassen musstest, um danach einen riesen Gewinn für dich und dein Leben zu erzielen?

Nach meiner Meinung ist es wichtig, seine Komfortzone immer wieder zu verlassen. Sich auf neue Wege zu begeben um sein eigenes Leben mit Leben zu füllen. Damit meine ich nicht, dass man sich gedankenlos auf alles stürzt was eine Gefahr bietet und dabei mit seinem Leben spielt. Keineswegs.

Aber sind es nicht immer die etwas holprigen Wege im Leben die einem stärker machen und schliesslich zu deinem eigenen Erfolg führen.

Wie oft bist du am Ende dagestanden und hast rückblickend zu dir selber gesagt, dass der Weg nicht einfach war aber du nie an dem Ort stehen würdest, wenn du nicht genau diesen Weg gegangen wärst?

Erfolge kommen dann, wenn dein Weg nicht der Einfachste wär. Wenn du nämlich immer nur der Masse hinterher läufst, dann wirst du nie herausfinden, welcher Weg eigentlich für dich bestimmt war.

Sei mutig, geh deinen eigenen Weg. Stelle dir nicht die Frage, ob du zu alt bist für etwas. Stelle dir die Frage, was dein Herz möchte und was dich glücklich macht. Denn wenn du den Weg deines Herzens gehst, dann wirst du nie für irgendetwas zu alt sein. Denn dein Herz kennt kein Alter.

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