Ein Ziel haben - oder wie ein Klick auf Facebook ein Leben verändert

October 30, 2019

Wir kennen das doch alle. Völlig unmotiviert klickt man sich tagtäglich durch die  Seiten von facebook um sich an den Freuden und Leiden der anderen ergötzen zu können oder mitzuleiden und zu erfreuen. Was ändert das jedoch an unserem eigenen Leben? Sind wir dann zufriedener? Verschwenden wir damit nicht bloss unsere Zeit? Wenn ja, wofür würden wir sie dann sonst nutzen? Ja, man sollte vielleicht mehr Sport machen. Sich gesünder ernähren. Meine Gedanken schweifen für einen Moment weg von Facebook und ich ertappe mich dabei, wie ich mich seitlich in meine Speckrollen kneife. Ein innerlicher Hass auf mich selber steigt für einen Moment auf. Hätte ich mich doch nur mehr bewegt. Wie konnte ich bloss so fett werden? Wann ist das passiert? 

 

Viele haben sich vermutlich bereits auch schon Gedanken gemacht, was man so isst, wann man etwas isst oder auch warum man etwas isst. Klar ist das Essen für manche das Schönste der Welt während es für andere tagtäglich eine Qual ist. So wie es für mich immer schon war. Während die einen scheinbar mühelos das Gewicht halten haben andere gefühlt schon beim Essen anschauen ein paar Kilos mehr auf den Rippen. 

 

Ich war nie wirklich schlank aber auch nicht total übergewichtig. Ich war so der Durchschnitt von allem. In meinen besten Zeiten schaffte ich es tatsächlich auf ein Mehrgewicht von 20 kg zuviel auf den Rippen. Über Jahre sagte ich mir, dass ich wohl nie zu den schlanken Frauen gehören würde. Ich fand meinen Körper hässlich und nicht begehrenswert. Ich schämte mich in Badehosen und versteckte meine Speckrollen unter einem grossen Badetuch. Zwar liebte ich das Wasser und den Strand aber von einer Bikinifigur konnte ich nur träumen.

 

Ich würde mich jetzt auch nicht als unbedingt unsportlich bezeichnen. Ich habe viele Sportarten die ich gerne mache. Ich probierte so ziemlich alles, aber nichts machte ich so wirklich richtig. Die einzige Leidenschaft die ich schon über Jahre für einen Sport empfand war für das Kitesurfen. Aber egal wo ich Kiten ging, ich fühlte mich dick und hässlich zwischen all den Bikini-Schönheiten die ausser gut aussehen auch noch gut kiten konnten. Welche Gemeinheit dahinter steckte...

 

Ich war irgendwann der vollen Überzeugung, dass ich mich wohl mit diesem Gewicht nun abfinden musste. Und obwohl mir viele gesagt haben, dass ich hübsch sei, glaubte ich nicht daran. Für mich war das erstunken und erlogen. 
Ich passte nunmal nicht in hübsche Kleider oder Stiefel die mir bis zu den Knien gingen. Das ist wohl nur für andere gedacht.  Die superschlanken und diejenigen, welche wohl einfach mehr Glück im Leben hatten.

Was hatte ich schon alles ausprobiert? Von Paleo, Atkins, Low Carb bis hin zu jeder erdenklichen Diät folterte ich meinen Körper. Mit dem Endergebnis, das ich zwar immer ein paar Kilos verloren hatte, aber dies nie nachhaltig war oder mich meinem Traumkörper auch nur annähernd nahe brachten. Ich hatte die Hoffnung aufgegeben. 

 

Ich versuchte meine Gedanken wieder auf die Newsfeed von Facebook zu lenken. Weg von den Gedanken die mich traurig stimmten. Und da passierte es. 

 

Aus einem puren Zufall bin ich beim weiterscrollen auf eine Werbeanzeige gestossen. Es war eine wie so viele andere auch. Aber irgendwie faszinierte mich diese auf Anhieb.  Es passte wie die Faust aufs Auge. Da gab es tatsächlich so ein Mann mit dem Körperbau eines Gottes, welcher den wahren Weg zum Traumkörper versprach. Klar, da war er nicht der einzige. Wie viele dieser Anzeigen hatte ich bereits gesehen und darauf geklickt in der Hoffnung, dass sich jetzt endlich irgend etwas ändern würde. Puh, soll ich wieder einen  nächsten Versuch wagen? Ok, das Buch soll er ja angeblich gratis abgeben... Lediglich die Versandkosten musste ich übernehmen. Auf alle Fälle packte mich die Idee von Neuem. Ich konnte ja nichts verlieren. Es wäre nur wieder die nächste Diät welche nicht klappen würde. (Was für ein Mindset! Da habe ich heute nur Kopfschütteln übrig)

 

Gesagt, getan. Ich bestellte mir das Buch inklusive dem Kochbuch  - was natürlich wieder mal extra kostete. Tja aber auf die paar Euro sollte es ja auch nicht mehr ankommen. Hatte mein Geld schon tausendfach für schlechtere Ideen ausgegeben. Zumindest redete ich mir das ein.

 

Gut zwei Wochen später war es dann soweit. Mein Buch war im Briefkasten. Irgendwie war dieses mal anders als die letzten Male. Ich war fasziniert. Ich fing an, alles darüber wissen zu wollen. Hörte mir die Podcasts an und las alle Bücher von diesem jungen Athleten. Irgendwie hatte es bei mir „Klick“ gemacht. Ich hatte  regelrecht Feuer gefangen.

 

Im Buch wurde über Krafttraining gesprochen. Über sogenannte Grund- und Verbundübungen. Ich hatte keinen Plan was das sein sollte. Über Youtube Videos sah ich  mir diverse Übungen an und bekam eine Idee von dem Ausmass, das dieses Programm annehmen könnte. 

In nur einem Tag verschlang ich regelrecht das Buch und wollte mit allem loslegen. WOW! Ich hatte ein Ziel! 

Jetzt wurde mir bewusst, dass dies wieder mal das gleiche war wie mit allem im Leben. Nur wenn das Ziel, das man sich selber setzt so unendlich stark ist, dann setzt man alles daran, dieses auch zu erreichen. Und genau das hatte ich nun vor.

 

- Projekt Sixpack war geboren.

 

Ja, es gab natürlich viele Gegenstimmen in meinem Umfeld. Das ich das doch nie im meinem Leben erreichen werde. Das ich zu alt sei, um  noch jemals ein Sixpack zu bekommen. Dass das wieder nur so eine Schnapsidee sei, wieder nur eine weitere Diät, die dann doch wieder scheitere. Warum ich mir das denn antun wolle, ich sei doch schlank genug.

 

Klar, ich war ja mit meinen 70kg voll im Wohlfühlgewicht. Pah!! Weit gefehlt! Ich hasste mich regelrecht dafür in diesem Körper gefangen zu sein, Ich kneifte mir vor dem Spiegel in meine Speckrollen und verfluchte meinen Körper. Tagtäglich! Verabscheute mich grenzenlos. Wie konnte ich mich auch so aus dem Haus wagen. Bald schon würde mir auch die Uniform nicht mehr passen und ich wäre gezwungen mir grössere Hosen zu holen. Was für eine Schande. Ich wollte das nicht. Mein innerer Kampf war so stark. Gleichzeitig wusste ich dass ich zu vielem im Stande war. Ich hatte schon so viel erreicht in meinem Leben. Ich wusste, dass ich alles erreichen konnte, wenn ich nur wollte. Und jetzt war meine Zeit gekommen. JETZT, nicht morgen. HEUTE!

 

Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war ich felsenfest überzeugt, dass ich hiermit den richtigen Weg gefunden hatte. 

 

In den folgenden Tagen meldete ich mich bei diversen Fitness-Studios an um mir ein Bild über die Muckibuden machen zu können. Doch ich fühlte mich deplaziert und unwohl. Überall die wohlgeformten Körper und ich Dickerchen in der Mitte. Nein, das war nicht meine Welt. 

Tagelang habe ich mit mir gerungen und gekämpft. Sollte ich wirklich in so ein Studio? Ging das nicht auch zu Hause? Da konnte ich mich schliesslich verstecken.

 

Ich kannte mich aber gut genug. Ich  wusste, dass ich zu Hause niemals genug Motivation an den Tag legen konnte um die Übungen zu machen. Hatte ich diesen Versuch doch auch schon mehrfach hinter mir. Lagen da nicht Kettlebells, Hanteln, diverse Therabänder und sogar ein TRX rum? Unbenutzt, das war ja klar...

 

Der Kampf  endete in einem mentalen Sieg. Ich meldete mich in meinem Ort im Fitness an und machte ein Probetraining. Und gleich darauf schloss ich das Jahresabo ab. Es war Mitte August 2019. Also mal ganz klar kein Neujahrsvorsatz. Was schon mal gut war. 
Ich hatte das Projekt Sixpack für Sommer 2020 geplant und das Ziel Brasilien vor Augen im November 2019, wo ich ja wieder gezwungen war eine Badehose anzuziehen. Nicht nur wegen den Temperaturen sondern auch zum kiten. Ich wollte auch endlich körperlich parat sein und in diesen zwei verbleibenden Monaten mein Bestes geben, um wenigsten ein paar Kilos zu verlieren.

 

Doch es kam anders als ich dachte. Wie so meistens....

Über das Buch wurde von einer Challenge gesprochen, an welche man sich anmelden konnte. 90 Tage sollte die dauern. 90 Tage in denen man sich seinem Projekt Traumkörper widmen sollte. Härter trainieren. Besser auf seine Ernährung achten und einander gemeinsam unterstützen. Das klang für mich nach einer guten Idee. Logisch war ich da wieder Feuer und Flamme dafür. Und sobald es möglich war, meldete ich mich zu dieser Challenge an.

 

30 Tage  - und ich werde die ersten Veränderungen sehen

60 Tage -  und die anderen werden die Veränderungen sehen

90 Tage – und alle werden die Veränderungen sehen

 

Das klang für mich sehr vielversprechend. Mal schauen wie weit ich gehen konnte, was alles möglich sein könnte in diesen 90 Tagen.

Es gab also kein zurück mehr. Kein Halten. Jetzt war meine Zeit.

 

Zusammen mit dem Buch rechnete ich mir aus, was ich denn an Nahrung zu mir nehmen konnte oder durfte. Per sofort räumte ich meinen Kühlschrank aus, vernichtete alle ungesunden Vorräte und packte die Lebensmittel in den Kühlschrank welche ich von nun an zu mir nehmen wollte.

 

Als weiteren Schritt habe ich mir per sofort den Konsum von Alkohol untersagt. Das kleine Problem, das mir Bier halt wirklich schmeckte umging ich mit dem Faktor, dass es auch alkoholfreies Bier gab, welches ich fast noch lieber hatte und anscheinend auch noch gesund sein sollte wenn man es nach dem Sport konsumierte.

 

Ich lud mir die Tracking- App für Lebensmittel auf mein Handy und gab meine Werte ein. 1600kcal sollten es pro Tag sein. Und ich machte es mir zur Aufgabe jeden Tag meine grünen Smileys zu sehen. Die bekommt man indem man nur gesunde Nahrungsmittel zu sich  nimmt. Ich freute mich daran, zu sehen, dass ich tatsächlich fähig war, mich gesund zu ernähren. Und wow, ich musste einiges mehr essen, als ich mich gewohnt war. Die Teller waren so voll, dass ich es kaum aufessen konnte. Ich bemühte mich aber täglich, um wenigstens die Proteine zu mir zu nehmen, die für den Muskelaufbau erforderlich sein sollten.

 

Und was passierte? Nicht wahnsinnig viel.. Ich habe ein Vorher-Bild für die Challenge gemacht... Ja, so schlimm war es ja nicht optisch betrachtet.... einfach halt überall zu viel...

Ich nahm meine Masse an meinem Körper und schrieb diese ganz brav in eine Tabelle. Ziel war es, dass dies nun jede Woche zu erfolgen hatte. Und das tägliche Wiegen auf der Waage wurde unserer Challenge-Gruppe regelrecht aufgezwungen. Kein Tag ohne auf diese blöde Bodenschlampe zu stehen. 

Ich hasste den Moment jeden Tag. Die Zahl schien sich nicht zu bewegen. Weder am ersten Tag, noch am zweiten und auch nicht nach einer Woche. 

Die ersten Zweifel kamen hoch. Hatte ich alles richtig berechnet? Machte ich die Übungen auch richtig im Gym? Warum tat sich bei mir nichts während die anderen schon mehrere Kilos weniger bejubelten? Ein halbes Kilo hätte es sein müssen nach der Berechnung. 500g! Das sollte wohl zu schaffen sein! Warum stand die Waage also still bei mir?  Schnell wurde mir klar, dass nicht nur ich mit diesem Problem zu kämpfen hatte. Es ging auch anderen so in unserer Challenge-Gruppe. Wir bekämpften alle die gleichen Drachen.

Und immer hiess es von den Mit-Challengern; Vertrau dem Prozess. Einfach weitermachen. Das kommt schon gut.

 

Weil ich nunmal die Zahl auf der Waage nicht ändern konnte, so änderte ich also einfach wiederum mein Mindset. Das war in meinen Augen das Einfachste. Als Sport-Mental-Coach wusste ich schliesslich wie so etwas ging.

Ich sagte mir also von nun an: Es kann ja nicht nichts passieren. Ich halte mich an die Kalorien, ich mache 3x pro Woche Krafttraining. Da musste sich mein Körper ja in irgend einer Weise anpassen. Oder etwa nicht?

 

Ich machte mir nun die Waage zu meinem Freund. Ich fing an, sie zu lieben. Ich gab ihr eine Kosenamen. Bei jedem Mal auf der Waage sagte ich mir nun:

 

  • Wenn sie still steht beim Gewicht: toll, eine gute Body-Recomposition

  • Wenn sie runter ging beim Gesicht; toll, ich habe Fett verloren

  • Wenn die wieder nach oben ging gewichtsmässig; toll, ich habe Muskeln aufgebaut

 

So habe ich angefangen immer das Positive beim wägen zu sehen. Und ja, nun sind zwei Monate vergangen. Das Gewicht ist runter gegangen. Langsam aber stetig. Klar, manchmal waren es ein paar Gramm, dann wieder ein paar mehr. Aber die Tendenz zeigt nach wie vor in die richtige Richtung.  Noch fehlen mir gewichtsmässig errechnete 5kg bis zu meinem Traumkörper. Doch auch das nehme ich nicht mehr so ernst wie am Anfang. Vielleicht ist mein errechnetes Gewicht nicht das Gewicht, das ich schliesslich mit meinem Sixpack haben werde. Ich lasse mich überraschen. Noch ist nicht aller  Tage Abend. Die Challenge ist immer noch am Laufen. Noch sind es über 30 Tage bis zum Ende meiner 90 Tages-Challenge.


Was ich aber jetzt schon nach nur zwei Monaten definitiv erkannt habe ist folgendes:

 

Es ist unerlässlich wichtig ein Ziel zu haben.

Der Wunsch dieses Ziel zu erreichen muss stark sein. 

Es muss ein Ziel sein, welches man sich selber setzt und nicht von aussen herangetragen wird.

Dann fehlen einem weder Wille noch Motivation dieses Ziel auch zu erreichen. 

 

Ich bin immer wieder fasziniert von den unglaublichen Möglichkeiten, die wir Menschen in uns haben. Zu was unser Gehirn fähig ist, wenn wir es zu nutzen wissen.

 

Nichts kann einen Menschen stoppen, wenn er ein Ziel hat. Dann ist man unbesiegbar. Alles ist möglich. Wir pflügen uns unseren Weg und sei er auch noch so beschwerlich.

 

Klar, ich habe meinen Sixpack noch nicht erreicht. Daran arbeite ich noch. Aber das Ziel ist es ja auch, diesen im nächsten Sommer zu haben. Aber wenn ich so in den Spiegel meinen Körper anschaue, halte ich es tatsächlich für möglich, dass mein Sixpack bereits unter dem Christbaum wartet.

 

Ich hasse mich nicht mehr. Nein, ich bin stolz auf mich. Ich habe angefangen, meinen Körper zu schätzen und zu lieben. Für das was er ist und was er alles für mich macht. Jeden Tag, mein ganzes Leben lang.

 

Schon jetzt ist es nicht mehr ein Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Mir fehlen weder Alkohol noch die ungesunden Lebensmittel. Ich habe meinem Körper ein Versprechen gegeben. Ich werde für ihn sorgen, werde ihm die Nährstoffe zuführen, welche er zum Leben braucht und mit welchen er auch etwas anfangen kann. 

 

Ja zum eigenen Körper ist ein Ja zum Leben. Und meine Zeit zu leben ist gekommen. Jetzt! Nichts wird mehr aufgeschoben. Nicht auf später oder morgen. Jede Sekunde habe ich die Möglichkeit selber zu entscheiden, was ich tue und warum ich etwas tue.

 

Ich habe mich selber akzeptiert und meine Liebe zu mir selber gefunden. Nun weiss ich, auch das ist möglich.

 

Alles hat sich für mich verändert. 

 

Und das nur wegen eines Klicks bei Facebook.

 

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